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Energiewende Deutschland?

Energiewende Deutschland nimmtg eine Vorreiterrolle in der Energiewende ein

Die Energiewende in Deutschland

Energiewende Deutschland – zwei Begriffe, die zusammen gehören. So hat sich dieser Begriff im Englischen mittlerweile als eigener Ausdruck für die Transformation des Energiesystems weg von atomar-fossilen Energien hin zu erneuerbaren Energien durchgesetzt. Ausschlaggebend hierfür waren sicher die ab 1980 in Deutschland leidenschaftlich geführten Debatten um Atomausstiegsszenarien und Laufzeitverlängerungen und der 2011 nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima gefasste Beschluss des endgültigen Abschieds von der Kernenergie bis zum Jahr 2022.

Energiewende ohne Grenzen

Ist Energiewende ein deutsches Erzeugnis? Vielleicht als Begriff, aber nicht als Phänomen und Aufgabe. Denn die umweltfreundliche Energieerzeugung für Strom, Wärme und Verkehr lässt sich nur als weltumspannendes Projekt verstehen und umsetzen. Schließlich machen die Auswirkungen der fossilen und nuklearen Energiegewinnung – globale Klimaerwärmung, Smog, radioaktive Abfälle etc., nicht an Landesgrenzen Halt. Die Bemühungen um eine nachhaltigere und klimafreundlichere Energiegewinnung waren daher von Anfang an ein nationenübergreifendes Vorhaben. Das zeigen die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1993, das 2005 in Kraft getretene Kyoto-Protokoll und das Pariser Abkommen von 2015. Insgesamt 195 Teilnehmerstaaten einigten sich dort darauf, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf maximal 2°C zu begrenzen. Dieses ehrgeizige Ziel umzusetzen, gelingt nur im Miteinander aller Länder, sowohl der industriell fortgeschrittenen Staaten als auch der Schwellen- und Entwicklungsländer.

Energiewende Deutschland

Um ein Bild vom Beitrag der Energiewende Deutschland, von seinem Rangplatz im internationalen Nachhaltigkeitsvergleich zu erhalten, empfiehlt sich ein Blick auf die bisher erreichten Ziele: „Wo steht die Energiewende in Deutschland?“ Im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat ein unabhängiges Expertengremium im November 2015 die bisherigen Ergebnisse der deutschen Energiewende im Monitoring-Bericht „Die Energie der Zukunft“ zusammengefasst. Demzufolge sei der Energieverbrauch im Jahr 2014 um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.

Einzelne Fortschritte

Insgesamt erreichte der Primärenergiebedarf in Deutschland – auch in Folge der relativ milden Witterung des Jahres 2014 – mit 13.132 Petajoule (ca. 3,65 Milliarden GWh) den niedrigsten Stand seit 1980. Ebenso schreite der Ausbau erneuerbarer Energien als Stromquelle wie geplant voran, denn deren Anteil an der Stromerzeugung habe im ersten Halbjahr 2015 erstmals über 30 Prozent gelegen und damit vor der Braunkohle.

Niedrige Rohstoffpreise

Dies sei neben den niedrigen Rohstoffpreisen auch ein Grund für die 2014 gesunkenen Importausgaben für Erdöl, Gas und Kohle. Betrugen sie 2013 noch 95 Milliarden Euro, waren es 2014 rund 81 Milliarden Euro. Die Stromausbeute aus Windenergie an Land und auf See habe 2014 bei insgesamt 57,4 Terawattstunden (57,4 Mrd. kWh) gelegen, wobei die Stromerzeugung aus Offshore-Windparks mit 1,4 Terawattstunden nur einen vergleichsweise geringen, aber steigenden Umfang darstellte. Aus der gesamten Biomasse (fest, flüssig, gasförmig) wurden 49,2 Terawattstunden Strom erzeugt. Während die Stromerzeugung aus Photovoltaik 2014 auf 35,1 Terawattstunden stieg, seien bei der Strombereitstellung aus Wasserkraft hingegen Einbußen zu verzeichnen gewesen. Hier sank der Ertrag auf 19,6 Terawattstunden.

Mehr Energie in die Wende stecken

Über die positive Entwicklung des Ökostroms hinaus verzeichnen die Energieexperten in ihrer Stellungnahme auch die Bereiche, in denen noch Handlungsbedarf bestehe, um die vereinbarten Klimaziele zu erreichen: Energieeffizienz, Verkehr und CO2-Emissionsreduzierung. So habe die durchschnittliche Steigerung der Energieeffizienz zwischen 2008 und 2014 mit 1,6 Prozent unter dem im Energiekonzept der Bundesregierung vorgesehenen Wert von 2,1 Prozent gelegen. Ein weiterer Wermutstropfen: 2014 läge der Endenergieverbrauch im Verkehr circa 1,7 Prozent höher als 2005. Um hier den Endenergieverbrauch wie vorgesehen um zehn Prozent gegenüber 2005 zu senken, sind nach Ansicht des Expertengremiums noch umfangreiche und konsequente Anstrengungen erforderlich.

Reduzierung der gesamten CO2-Emissionen beschleunigen

Am meisten intensiviert werden müssten jedoch die Bemühungen der Bundesregierung, die Treibhausgasemissionen wie versprochen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Damit das umgesetzt werden kann, gelte es, das Tempo der Emissionsminderung in den wenigen Jahren bis 2020 mindestens zu verdreifachen. Das heißt konkret: Während in den letzten 15 Jahren der Treibhausgas-Ausstoß im Jahresdurchschnitt um kaum mehr als neun Millionen Tonnen gesenkt wurde, müsste er stattdessen bis 2020 jährlich im Durchschnitt um 28 Millionen Tonnen herabgefahren werden. Anzumerken bleibe, dass jenseits des Stromsektors noch viel hinsichtlich umweltverträglicher Energiegewinnung getan werden muss. Schließlich habe der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch (Strom, Verkehr, Wärme) im vergangenen Jahr erst 13,5 Prozent betragen, nach 13,2 Prozent im Jahr davor. Hier besteht akuter Handlungsbedarf.


Energiewende Deutschland im internationalen VergleichEnergiewende Deutschland im internationalen Vergleich

Wie steht Energiewende Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern da? Gerade im Hinblick auf das in Paris von der Weltgemeinschaft beschlossene Klimaabkommen ist es hilfreich, hierauf eine Antwort zu finden. Denn das Image der Bundesrepublik als Musterknabe in Sachen Energiewende hat seit 2010 gelitten – so das Ergebnis der 2014 vom Handelsblatt Research Institute veröffentlichten Studie „Neue Impulse für die Energiewende. Was die deutsche Energiepolitik aus dem internationalen Vergleich lernen kann“ (hier finden Sie die Studie). Statt wie bisher wissenschaftliche Studien und Datenanalysen zur Energiewende aus einem nationalen Blickwinkel durchzuführen, verfolgte diese Studie einen technologieneutralen internationalen Vergleich von 24 Ländern, der sich am energiepolitischen Zieldreieck Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit orientiert. Die Einhaltung politischer Zielvorgaben war dabei nicht von Interesse. Vielmehr galt es, eine stabile Grundlage zum Abgleichen der Fortschritte auf dem Weg zu klimafreundlichen Energiesystemen zu finden, auch wenn die Industrie-, Schwellen- oder Entwicklungsländer verschiedene energiepolitische Pläne verfolgen.

Unerwartete Ergebnisse

Das Ergebnis ist eine Rangliste der untersuchten Länder nach den Kriterien „Niveau“ und „Dynamik“. Erwartungsgemäß stehen reife Industrieländer, wie die hochentwickelten skandinavischen Länder Schweden, Norwegen und Dänemark sowie die beiden Alpenrepubliken Österreich und Schweiz beim Gesamtergebnis des Niveau-Rankings an vorderster Stelle. Die Gründe: Die geografischen Bedingungen dieser Länder begünstigten einen kostenakzeptablen Umstieg auf erneuerbare Energien. Hinzu käme, dass die Energiewende in diesen Ländern von einer breiten Zustimmung in der Bevölkerung getragen wird. Erstaunen hat hingegen das Abschneiden der Industriestaaten Ungarn, Polen und Südkorea ausgelöst, die auf den unteren Plätzen landen – mitunter noch hinter Brasilien, Russland, Indien und China. Ebenso überraschend in diesem Listing: Deutschland konnte sich hinter Frankreich und Spanien aber vor Italien und Kanada nur den achten Platz sichern.

Auch die Platzierung der Länder in der Kategorie „Dynamik“ sorgte für hochgezogene Augenbrauen. Zwar befand sich Dänemark erwartungsgemäß auf dem ersten Platz, aber kaum jemand hatte damit gerechnet, dass USA, Italien, Ungarn, Spanien und Australien gleich danach folgten. Ausschlaggebend hierfür seien nach Ansicht der Studienverantwortlichen der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie, eine verbesserte Energieeffizienz sowie die Umstellung der thermischen Kraftwerke von Kohle und Öl auf das umweltfreundlichere Erdgas. Erschreckend war jedoch das unerfreuliche Ergebnis für Deutschland: Der letzte Platz im Dynamikranking entsprach keinesfalls der deutschen Wahrnehmung als Musterknabe der Energiewende.

Energiewende Deutschland - Empfehlungen für schnellere Energiewendemanöver

Vorreiterrolle in der Energiewende gefährdet

Was sind die Gründe für dieses Abschneiden? Ist Deutschlands Position als internationaler Pionier der Energie- und Klimapolitik bedroht? Mit Blick auf die geografische Lage Deutschlands hinsichtlich Windaufkommen und Sonnenscheindauer sei der achte Platz im Niveau-Ranking ein relativ gutes Ergebnis, so das Resümee der Studie. Alarmierend sei hingegen das Ergebnis hinsichtlich der Dynamik der deutschen Energiewende. So sind etwa die Stromkosten für die Haushalte nur in drei Ländern zuletzt stärker gestiegen als in Deutschland und nur in fünf Ländern die Stromkosten für die Unternehmen. Das bedeute nicht nur ein überdurchschnittlich hohes Preisniveau, sondern auch einen außergewöhnlich schnellen Anstieg der Stromkosten in der Bundesrepublik.

Andere Länder

Aufgrund anderer Strategien in ihrer Energiepolitik seien andere Länder aufgerückt und haben Deutschland sogar überholt. Unterm Strich kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleicht enorm gesunken sei. Obwohl erneuerbare Energien in Deutschland massiv ausgebaut werden, kämen die Fortschritte hinsichtlich eines gleichermaßen umweltverträglichen, wirtschaftlichen und sicheren Energiesystems im Vergleich zu allen anderen untersuchten Ländern kaum zu tragen. Die Diagnose: Die Energiewende Deutschland verbinde „derzeit überdurchschnittliche Kosten mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen“, d.h. sie ist zu teuer und produziert bisher nur vereinzelt Erfolge.

Empfehlungen für schnellere Energiewendemanöver

Um die anstehenden Herausforderungen innerhalb der vereinbarten Frist zu bewältigen, empfiehlt das Expertengremium der deutschen Politik zu berücksichtigen, dass die Energiewende nur im europäischen Miteinander – mit einer gemeinsamen Strategie – zu lösen sei. Nationale Alleingänge wirkten sich nur kontraproduktiv aus. Konkret sollten die Anreize zum Reduzieren der Treibhausgasemissionen so gestaltet werden, dass möglichst kosteneffiziente Energiesysteme gefördert werden. Statt einzelner Erzeugungsmethoden empfehle sich ein technologieneutraler Ansatz. Diese Förderungsmaßnahmen sollten durch die Europäische Kommission und die Bundesregierung stärker als bisher ausgebaut und gestärkt werden. So haben erst jüngste Durchbrüche in der geförderten Energiespeichertechnologie, wie etwa regelleistungsfähige Photovoltaikspeicher, gezeigt, dass die Energiewende rascher und mit weniger Kosten gelingen könne.

Güterverkehr verstärkt von der Straße auf die Schiene verlagern

Weiterhin sei es ratsam, im Mobilitätssektor den Güterverkehr verstärkt von der Straße auf die Schiene zu verlagern und Unternehmen sowie Haushalte zu effizienterem Energieeinsatz zu motivieren. Aber ganz gleich, welche Stellschrauben für das Gelingen der Energiewende betätigt, welche einzelne Maßnahmen umgesetzt werden – bei allen noch zu unternehmenden Anstrengungen solle die Bundesregierung darauf achten, dass die mit der Energiewende verbundenen Kosten nicht allein von privaten Haushalten aus niedrigeren Einkommensgruppen getragen werden, denn das gefährde die Akzeptanz der Energiewende Deutschland insgesamt.

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